Nein-Komitee kritisiert St.Galler Theaterumbau als Fass ohne Boden

Das Stadttheater St.Gallen soll umfassend renoviert werden. Doch die Vorlage ist umstritten.(Hanspeter Schiess)

 

ABSTIMMUNG ⋅ Am 4. März wird über den Umbau des Theatergebäudes in St.Gallen abgestimmt. Am Montag stellte das Nein-Komitee seine Argumente gegen einen Kredit von 48,6 Mio. Franken vor. Vertreten darin sind SVP, Jungfreisinnige, JSVP und die Unabhängigkeitspartei Schweiz.

 

 

Die SVP habe im Kantonsrat mit dem Ratsreferendum erreicht, dass über die Vorlage überhaupt abgestimmt werden könne, erklärte SVP-Parteisekretärin Esther Friedli an der Medienorientierung in St. Gallen.

Sie erinnerte daran, dass die Trägerschaft für das Theater 2009 von der Stadt zum Kanton gewechselt sei. Damals habe es geheissen, das Gebäude befinde sich in gutem Zustand. Auf den Kanton kämen für spätere Sanierungen Kosten zwischen 8 und 14 Mio. Franken zu.

Nun hätten sich die Kosten in acht Jahren verfünffacht. «Man hat gewisse Sachen verschwiegen», kritisierte Friedli. Es handle sich um «eine unehrliche Vorlage». Unter anderem zeigten die überdurchschnittlich hohen Honoraranteile, dass mit der grossen Kelle angerührt werde. Es sei zudem absehbar, dass bereits in wenigen Jahren eine nächste Sanierung beantragt werde.

 

Angebot für St.Gallen zu gross

 

Der geplante Umbau werfe keinen Mehrwert für die Theaterbesucher ab, denn der Zuschauerraum werde kaum angetastet, sagte Sascha Schmid, Präsident der St. Galler JSVP. Es sei unverantwortlich, dass ein Neubau als Alternative nicht wenigstens geprüft worden sei.

Noah Menzi, Präsident der St. Galler Jungfreisinnigen, erklärte, in St. Gallen gebe es das einzige, ständig bespielte Dreispartentheater zwischen Zürich, Stuttgart, Ulm und Innsbruck. Dies sei eine Generosität, wenn man bedenkt, dass diese Städte um einiges grösser seien. Man solle sich überlegen, ob das Angebot nicht zu gross und zu unrentabel sei.

In der heutigen digitalen Zeit habe sich Crowdfunding längst etabliert. «Wenn sich etliche kleine Kulturschaffende so bemühen müssen, warum nicht das renommierte Theater St.Gallen?», so Menzi.

Beim Komitee dabei ist auch Lukas Grossenbacher, Mitglied der Unabhängigkeitspartei Schweiz (up!), die über keine Sektion im Kanton St.Gallen verfügt. Es leuchte nicht ein, wieso es Aufgabe des Gemeinwesens sein solle, «einigen Interessierten, oft aus privilegierten Schichten, ihre Freizeitgestaltung zu finanzieren», sagte er.

Für die Vorlage mit einem Umbaukredit von 48,6 Mio. Franken für das rund 50-jährige Theatergebäude spricht sich neben der St.Galler Regierung ein Komitee mit CVP, FDP, SP, BDP, EVP, GLP und Grünen aus. (sda)

 

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