Unabhängige Stelle hilft bei Problemen mit KESB

ST.GALLEN ⋅ Auf Initiative einer Stiftung hat Ende Januar eine unabhängige Anlaufstelle ihre Arbeit aufgenommen. Sie bietet Beratung bei Problemen mit Kesb-Entscheiden und deckt auch die Ostschweiz ab.

 

Konflikte rund um die vor vier Jahren gestartete Kinder− und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) sind ein Dauerbrenner. Die Behörde war zuletzt etwa auch Thema in der Februarsession des St.Galler Kantonsrats.

SVP-Kantonsrat Sascha Schmid hatte in einem Vorstoss bemängelt, dass «Kesb-Opfer» zahlreiche Hürden überwinden müssten, um sich gegen «unverhältnismässige Verfügungen zu Wehr zu setzen». Er kritisierte in diesem Zusammenhang die Höhe der Gebühren, die die kantonale Verwaltungsrekurskommission für die Überprüfung von Kesb-Entscheiden verlangt. Für ihn seien Verbesserungen bei den Verfahren unausweichlich, sagte er im Rat. Kritik an der Behörde, die für viele schwer wiegende Massnahmen zuständig ist, gibt es auch anderswo. Neben dem Inhalt, wird oft auch die Verständlichkeit der Entscheide in Frage gestellt.

 

Unabhängige Stelle gestartet

 

All diese Diskussionen haben nun zu einer neuen und neutralen Stelle geführt, mit der auf einige der Schwierigkeiten reagiert wird. Das Angebot hat zwar seine Adresse in der Stadt Zürich. Es soll von dort aus aber die ganze Schweiz abdecken.

Die unabhängige Anlaufstelle Kindes− und Erwachsenenschutz Kescha ist Ende Januar gestartet. Sie richtet sich an Personen, die von einer Massnahme der Kesb betroffen sind und damit Probleme haben. Angeboten werden Informationen und Beratung, die «neutral, unabhängig oder vertraulich» erfolgt, wie es auf der Homepage heisst.

Initiiert wurde die Anlaufstelle von der Guido Fluri Stiftung, die sich unter anderem für die Opfer von administrativen Zwangsmassnahmen einsetzte. Sie finanziert auch das Angebot.

 

Grosse Nachfrage

 

Die mit Fachleuten besetzte Stelle ist telefonisch oder per Mail erreichbar (www.kescha.ch). Möglich sind aber auch persönliche Termine. Das Angebot hat Grenzen: Die Kescha beteiligt sich nicht an laufenden Verfahren. Es gibt keine Begleitung zu Terminen mit den Behörden. Auch finanzielle Unterstützung oder eigene Anwälte gehören nicht dazu.

Kaum gestartet, zeigt sich bereits eine grosse Nachfrage: Im Schnitt seien es zehn längere Beratungen pro Tag, dazu kämen weitere Anfragen, die per Mail beantwortet würden, sagte ein Kescha-Sprecher der Nachrichtenagentur sda.

Im Beirat dabei ist die Schweizerischen Konferenz für Kinder− und Erwachsenenschutz KOKES. Das ist der Zusammenschluss der kantonalen Aufsichtsbehörden im zivilrechtlichen Kindes− und Erwachsenenschutz.

Die KOKES unterstütze die Idee, «dass sich Betroffene im Konflikt oder weil sie sich nicht verstanden fühlen an eine unabhängige und spezialisierte Anlaufstelle wenden können», erklärte Diana Wider, Generalsekretärin der KOKES. Das Angebot funktioniere als «Verständigungshilfe».

Die Beratungen werden wissenschaftlich ausgewertet. Dafür arbeitet die Kescha mit dem Familieninstitut der Universität Freiburg zusammen. Die Ergebnisse sollen regelmässig der Öffentlichkeit präsentiert werden. Allenfalls könnten aufgrund der Erkenntnisse Verbesserungen bei den Kesb umgesetzt werden, stellte Wider fest. (SDA-ATS/ka/ny)

 

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